Tolkiens Erbe

Buch: Tolkiens Erbe
Taschenbuch, 656 Seiten; erschienen Oktober 2012 im Piper Verlag ; 14,99 Euro

Die Neuerscheinung von Tolkiens Erbe erscheint zum Filmstart des Hobbits. Auf die Weise bekommen vielleicht einige Tolkien-Leser, die auf den Titel aufmerksam werden die Gelegenheit weitere Fantasy-Autoren kennenzulernen - auch wenn die Geschichten ansonsten mit Tolkien und Mittelerde wenig zu tun haben.

Worum es geht

Die Herausgeber Friedel Wahren und Erik Simon haben die Kurzgeschichtensammlung in drei Teilen zusammengestellt und das Vorwort verfasst.

Der erste Teil nennt sich "Zwei Zeitgenossen" und enthält Geschichten von Lord Dunsany und E.R. Eddison, die sich in der heutigen Zeit etwas umständlich lesen, mich auch eher aus historischer Sicht angsprochen haben.

Der Zweite Teil "Tolkiens Erben" enthält eine Reihe von sehr lesenswerten Kurzgeschichten, teilweise über 100 Seiten lang in denen man auch ein Stück weit in andere Welten eintaucht. Einige davon sind besonders zu erwähnen:
Den Beginn macht Steven Donaldson mit der "Tochter der Könige".
Darin bereitet sich die junge Chrysalis nach dem Tod ihres Vaters auf die Besteigung des Thrones vor. Sie besitzt selbst keinerlei Magie und diese ist aber Voraussetzung dafür, den Thron besteigen zu können. Hinzu kommen die Intrigen der Herrscher der Drei Länder, denen das Mädchen auf einfallsreiche Weise begegnet.

Anrezej Sapkowski ist mit einer Geschichte über den Hexer Geralt vertreten in "Die Grenze des Möglichen". Darin begleitet Geralt eine Gruppe von Drachenjägern, obgleich er selbst nicht vorhat den gejagten Drachen zu töten. Er stellt dabei fest, dass die Grenze des Möglichen mitunter überschritten wird. Eine interessante Reise mit einigen Überraschungen!

Michael Moorcock trägt mit "Könige in Dunkelheit" eine Sequenz aus dem Leben von Elric von Melibone bei. Dieser will sich nach einem Überfall an den Bewohnern von Org rächen und verschafft sich Einlass in die Zitadelle - wo dann unter anderem Sturmbringer, sein verfluchtes Schwert zum Einsatz kommt.

In "Die Tochter des Magiers" bannt der Magier Rathak eine Seele in den Körper seines ungeborenen Kindes. Es läuft aber etwas schief, Körper und Geist des Mädchens sind verkrüppelt. Als der Magier wahnsinnig wird, beginnt für das Kind eine gefährliche Reise.

In Barringtons "Schiff des Unheils" treten die Elben in einer ungewohnten, eben gar nicht edlen Form auf. Der Mensch Kelgynn gelangt an Bord eines Elbenschiffes. Diese leben schon lange im Krieg mit den Trollen und versuchen sich gegenseitig auszurotten. Kelgynn versucht sich zu befreien. Er sieht auch, dass die Elben und Trolle schwinden und den Menschen die Welt gehört.

"Drachenkind" von der Ursula K. Le Guin spielt in der Welt von Erdsee. Drachenkind ist die Tochter des Herrschers von Alt-Irian und hat es nicht leicht, denn ihr Vater hält an den alten Grenzen seines Reiches fest und benebelt seinen Verstand und sein Versagen mit Alkohol. Mit Hilfe der Dorfhexe erfährt sie ihren wahren Namen, dieser ärgert sie so, dass sie sich auf den Wet nach Roke zur Insel der Magier, um ihre Bestimmung herauszufinden. Sehr lesenswert, auch wenn man die Erdsee (noch) nicht kennt.

Der dritte Teil heißt "Tollkühnheiten" und darin sind humoristische Fantasygeschichten zusammengestellt.
Dieses Genre ist sicher Geschmackssache und ich kann damit nicht allzuviel anfangen. Eine Ausnahme ist dabei "Der Zauber des Wyrmberges" von Terry Pratchett, in dem Rincewind mit zwei Gefährten sich in einer Gegend bewegen, wo Drachen mit Gedankenkraft erzeugt werden und auch sonst allelei Merkwürdigkeiten auftreten. Das ist eine witzige und intelligent erdachte Geschichte.

Der Fantasybote meint

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Insgesamt ist "Tolkiens Erbe" also lesenswert, mindestens ein Hereinlesen um verschiedene Fantasy-Autoren kennenzulernen empfiehlt sich.
Man darf nur keine Geschichten aus Mittelerde erwarten, die einzige Geschichte, die einen engen Bezug hat ist "Die Brücke über den Gallweinfluss" von Beard und Kenney - eine Parodie auf die entsprechende Szene aus dem Herrn der Ringe.

Fazit:

Abwechslungsreiche Kurzgeschichten- und Novellensammlung mit einigen Highlights - lesenswert!