Das gläserne Tor

Buch: Das gläserne Tor
"Etwas leuchtete unter ihren Füßen, heller noch als das sie umgebende Licht. Eine kreisrunde Öffnung, wie das Ende eines Tunnels. Und das, was sie dort sah, war rot, ockerfarben, von harten Schatten durchzogen - eine Wüstenlandschaft. Sie wollte schreien, als sie erkannte, dass sie wie aus großer Höhe zu fallen drohte. Immer näher kam die Öffnung. Tief unter sich erkannte sie Sanddünen und schroff aufragende Klippen. Dürre Vegetation. Gar eine Schlange die sich tänzelnd durch den Sand pflügte. "
Taschenbuch, 688 Seiten; erschienen Dezember 2007 im Heyne Verlag ; 14 Euro

Worum es geht

Im Jahre 1895 begleitet die junge Grazia Zimmermann ihren Verlobten Friedrich zu der Ausgrabungsstelle eines kürzlich entdeckten Bronzezeit-Grabes auf der Pfaueninsel in Berlin.

Dort geht sie auf einen Steg und sieht im Wasser der Havel ein seltsames Licht. Als sie es sich näher ansehen will stürzt sie in den Fluss und findet sich in einer Wüstenlandschaft wieder. In dieser anderen Welt trifft sie auf einen Wüstenstamm und auf den gefangenen Krieger Anschar. Als dieser flieht folgt Grazia ihm nach Argadye, wo sie hofft, einen Weg zurück in ihre eigene Welt zu finden.

Das junge und streckenweise recht naive Mädchen lernt die Kultur und Sprache der anderen Welt kennen und kommt auch Anschar näher. Doch jeder der beiden hütet ein schicksalhaftes Geheimnis.

Grazia wird in die Intrigen zwischen zwei Königen hineingezogen und auch Anschar gerät immer wieder zwischen diese Fronten. Während Grazia mit Anschars Hilfe nach einem Weg zurück in ihre Welt sucht, müssen sie beide viele gefährliche Situationen meistern.

Der Fantasybote meint

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Die Geschichte ist dicht erzählt und spannend geschrieben. Manchmal überschlagen sich die Ereignisse fast und an einigen Stellen hätten die Beschreibungen nach meinem Geschmack etwas ausführlicher sein können.

Einige Rätsel löst die Autorin recht abrupt auf, etwa die Funktionsweise des Tores. Dennoch gelingt es der abwechslungsreichen Geschichte immer wieder, den Leser zu überraschen.

Als sehr angenehm empfinde ich, dass die Autorin in der Erzählung bei ihren Hauptpersonen bleibt und nicht durch zu viele Handlungsstränge den Schwung aus der Geschichte nimmt. Beide Hauptpersonen sind sympathisch und vielschichtig gezeichnet und man fiebert beim Lesen mit ihnen mit, wenn Grazia auch manchmal zu naiv wirkt.

Einige der Nebencharaktere sind sehr lebendig beschrieben und blieben im Gedächtnis haften, auch wenn sie ab und an etwas zu kurz kommen. Über einige von ihnen, etwa das Vögelchen oder Scheligur hätte ich gerne mehr erfahren.

Die Motivation der Antagonisten waren an einigen Stellen unklar, werden jedoch am Ende aufgelöst. Auch der Konflikt zwischen den Königsbrüdern Mallayur und Madyur wird durchaus realistisch beschrieben.

Der Berliner Akzent von Grazia wirkte an einigen Stellen etwas gestelzt, passte aber insgesamt gut in das Konzept.

Der Weltentwurf des "Gläsernen Tors" gefällt mir ausnehmend gut. Die Eigenheiten der antiken Wüstenwelt sowie die einzelnen Völker und deren Götter sind vielfältig und doch übersichtlich beschrieben. Besonders gut hat mir hier die Schwebende Stadt gefallen. Der Autorin gelingt es auch den Kontrast zwischen den beiden Welt lebendig und manchmal amüsant darzustellen.

Zudem ist mir die Pfaueninsel aus meiner Kindheit und Jugend gut bekannt, sodass ich mir die Geschehnisse dort noch lebhafter vorstellen konnte. Aber die Geschichte war insgesamt so fesselnd, dass ich das Buch oft kaum aus der Hand legen konnte und es unter dem Opfer einiger Stunden Schlaf sehr schnell durchgelesen habe.

Ein paar Ungereimtheiten fallen aber doch auf. So scheint es mir unwahrscheinlich, dass Grazia auch nach einigen Monaten in der Wüstenwelt noch immer so stark an den Modevorstellungen ihrer Welt festhält.

Allerdings schildert die Autorin sehr schön Grazias Probleme, sich in der neuen Welt einzuleben und liebgewonnene Gewohnheiten loszulassen.

Auch die immer wieder betonten Unterschiede zwischen den beiden Hauptpersonen passten zu den ebenfalls sehr unterschiedlichen Welten.

Kurzum: mit dem "Gläsernen Tor" ist Sabine Wassermann ein sehr spannendes Buch und farbenfrohes Buch gelungen, das auch für den erfahrenen Fantasy-Leser spannend zu lesen ist.

Das Buch ist in sich abgeschlossen. Das Ende legt jedoch nahe, dass ein weiterer Band geplant ist.

Fazit:

Ein spannender Roman mit einigen Überraschungen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.