Das Rätsel der DrachenMit "Das Rätsel der Drachen" legt Evelyne Okonnek ihren zweiten Roman vor. Das Buch erscheint als solides, schlichtes Hardcover im Taschenbuchformat ohne weitere Extras wie Karte, Glossar oder Lesebändchen. Das Cover ähnelt sehr ihrem letzen Buch, Die Tochter der Schlange, inhaltlich haben die beiden Romane keine Verbindung. Worum es gehtKhandir, ein Kaufmann aus der Hafenstadt Yannah, wird auf See von einem Unwetter überrascht. Zwei schwere Stürme brechen aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig über sein Schiff herein. Wie durch ein Wunder überleben Schiff und Besatzung. Nach mehreren Tagen finden sie sich vor der abweisenden Küste der verrufenen und gefährlichen Dracheninseln wieder. Um Trinkwasser zu suchen betreten sie zögerlich die nächste Insel. Hier treffen sie auf ein kleines Mädchen mit bronzefarbener Haut und gelben Augen. Khandir nimmt das Kind trotz Bedenken seiner Mannschaft auf. Er nennt sie Sylat und zieht sie als seine Tochter auf. Sylat bleibt seltsam und unzugänglich, rettet aber Khandirs neugeborenen Sohn das Leben und gibt ihn seinen Namen: Pachiro. Jahre später wird Yannah durch eine Serie von Brandstiftungen und brutalen Morden erschüttert, die schauerlich Taten werden einem unheimlichen Feuerdämon zugeschrieben. Sylat und Pachiro beschließen den Dämon zu stellen, um der Gewalt ein Ende zu bereiten. Währenddessen treibt sich im fernen Daaresaal der zwielichtige Schiffbrüchige Suumal herum, der behauptet der letzte Überlebende einer Drachenjagd zu sein. Mit skrupelloser Gewalt baut er eine Räuberbande aus entlaufenen Sklaven auf. Der mysteriöse Magier Daarob bringt Suumal dazu, seine Gedanken erneut auf die verborgenen Schätze der Dracheninsel zu richten. Der Fantasybote meintDie Geschichte um Sylat und ihren Ziehvater Khandir nimmt einen im Handumdrehen gefangen; allzu schnell sind die 350 Seiten durchgelesen. Mit klassischen Fantasy-Elementen, wie Magie oder Fabelwesen geht die Autorin anfangs sehr sparsam um, fast meint man einen (sehr spannenden!) historischen Roman zu lesen. Zum Ende der Geschichte bricht das Übernatürliche dafür umso massiver über die Helden herein. Von den neun Kapiteln des Buches, stellen die ersten acht mit ihren poetischen Überschriften jeweils eine Rätselfrage, die im zentralen achten Kapitel für die Charaktere zu Fragen auf Leben und Tod werden. Das verleiht dem Buch eine zusätzliche Ebene, die dazu einlädt es noch einmal zu lesen um zu sehen, wie die vorgeschlagene Lösung zur Handlung der einzelnen Kapitel passt. Der Roman erzählt die sehr persönliche Geschichte Khandirs und seiner Familie. Keine Welt muss gerettet werden, kein böser Herrscher wird gestürzt; Im Mittelpunkt der Handlung steht das individuelle Schicksal der Figuren. Diese sind der Autorin beeindruckend gut gelungen. Sie sind facettenreich und sehr menschlich gezeichnet und man fiebert schnell mit ihnen mit. Auch die Handlungsweisen der Gegenspieler sind nachvollziehbar. Aus den rundum gelungenen Figuren ragt Sylats Bruder Pachiro noch einmal hervor. Seine Welt gerät mehrmals aus den Fugen, doch er schafft es stets sich den neuen Gegebenheiten anzupassen und seinen wunderbaren Humor zu behalten. Der Handlungsstrang um Suumal gerät etwas schwächer, sein Charakter gewinnt erst zum Ende hin an Farbe. Das große Rätsel ist nicht so sehr die Herkunft Sylats oder die Natur des Feuerdämons - beides ist recht leicht zu erraten. Es geht um das viel größere Rätsel, woran wir unser Leben ausrichten sollen. An den Vorgaben von Kultur und Herkunft? Den Wünschen oder Nöten der Familie? Oder doch am Verlangen des eigenen Herzens? Die Autorin zeigt am Weg von Sylat, Pachiro und Suumal das es keine einfachen Antworten auf diese Fragen gibt. Alle müssen mit den Folgen ihrer Entscheidungen leben, und manchmal wird am Ende nicht alles Gut. Manche Klüfte sind so tief, das selbst die Liebe sie nicht überbrücken kann. So ist "Das Rätsel der Drachen" trotz seines märchenhaften Tons ein sehr realistisches Buch. Einige Handlungslinien und Konflikte werden nicht aufgelöst. Das ist schade, denn manche der Nebenfiguren - etwa Rina - sind so sympathisch geraten das man gerne wüsste wie ihre Geschichte weiter geht. Die Haupthandlung aber wird gut abgeschlossen. Der harmoniebedürftige Leser sei gewarnt: das Ende ist bittersüß. Das Buch scheint auf jugendliche Leser abzuzielen, obwohl einige Szenen recht brutal geraten sind. Durch die Konzentration auf die Charaktere und deren vielschichtige Darstellung gefällt mir "Das Rätsel der Drachen" noch besser als Evelyne Okonneks Debüt, Die Tochter der Schlange. Fazit:Eine sehr spannende und persönliche Geschichte voll lebendiger Charaktere. |
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