Der Bund der Raben

Buch: Der Bund der Raben
Der Bund der Raben , Band 1
"Aus dem Schatten der Bäume trat ein Pferd, ein mächtiges, schwarzes Ross, das ihr riesig wie ein Ungeheuer erschien. Die Sehnen spannten sich unter der Haut des schnaufenden Tieres, doch Dharana hatte nur Augen für den Reiter. Der hatte sein Pferd gezügelt, und seine Augen suchten den Hang vor ihm ab. Gott beschütze uns! dachte Dharana kläglich. Neben ihr hatte Cardhen leise zu wimmern begonnen. Einen Augenblick befürchtete Dharana, ihre Schwester würde zu schreien beginnen, doch sie blieb still. Der Mann war ein Harone."
kartoniert, 268 Seiten; erschienen April 2007 im BoD Verlag ; 15,90 Euro

Mit "Der Bund der Raben" legt Mirko Thiessen den ersten Teil eines ambitionierten, auf sechs Bände ausgelegten Romanprojekts vor. Der Roman bildet zusammen mit dem schon erschienenen Folgeband "Der Rücken der Schildkröte" eine abgeschlossene Geschichte.

Das Buch ist als "Book on Demand" erschienen und fällt durch seine ungewöhnliche Titelgestaltung auf ("ist das wirklich Fantasy?"). Das Druckbild ist recht eng geraten, mit schmalen Seitenrändern und kleiner Schriftgröße, was das Lesen etwas erschwert.

Worum es geht

Seit Urzeiten gilt in den Reichen von Norlan das Gesetz des Baumes von Zadar: steht dieser nach Jahrhunderten wieder in Blüte geht das Amt des Hochkönigs auf ein anderes Volk über. Nun sind ausgerechnet die blutrünstigen, weißäugigen Haronen an die Regentschaft gelangt. Kaum an der Macht überziehen sie die Länder Norlans mit einem Krieg von beispielloser Grausamkeit. Entgegen den alten Gesetzen versuchen sie auch die Familie des vorigen Hochkönigs Basilios auszulöschen.

Dessen Enkel Laurin hat sich unter den Schutz Leonardos, des Grafen der Farnlande, gestellt und dient ihm ohne große Begeisterung als Knappe.

Laurins Schwestern Dharana und Cardhen haben die Eroberung ihrer Feste Nymadhin durch die Haronen mehr schlecht als recht überlebt. Nun versucht Dharana sich und ihre Schwester, die sich in segensreiche geistige Umnachtung geflüchtet hat in Sicherheit zu bringen.

Ein zweiter Erzählstrang folgt der Familie des Grafen Leonardos. Als die Gräueltaten der Haronen immer maßloser werden, beginnt der Graf ein Bündnis zu schmieden um ihre Vorherrschaft zu brechen. In diesem Moment taucht auch der titelgebende, geheime "Bund der Raben" auf, der das selbe Ziel zu verfolgen scheint.

Der Fantasybote meint

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"Der Bund der Raben" zielt deutlich auf die Liga der großen, epischen Fantasy. In einigen Bereichen gelingt das dem Autor durchaus; so sind die politischen und dynastischen Verwicklungen komplex und vielfach überraschend. Man merkt wie viel Zeit Mirko Thiessen in die Entwicklung seiner Welt investiert hat; im Großen und Ganzen fühlt sie sich sehr real an.

Leider ist das bei einigen seiner Figuren nicht der Fall. Das fällt besonders bei manchen Nebenfiguren auf, die mit zu wenig Tiefe gezeichnet sind. (Als Beispiel sei hier Roberto, der Sohn Leonardos genannt.)

So ist es es mir nicht leicht gefallen mich mit den Hauptpersonen zu identifizieren, da mir ihre Geschichten zu bekannt vorkamen. (Bei "wilden" jungen Töchtern ermordeter Adliger, die sich durch ein verheertes Land voll Gewalt und Wahnsinn durchschlagen, muß ich stets an Arya Stark denken. Für dieses Problem mag aber mein hoher Fantasy-Konsum verantwortlich sein.) Auf der anderen Seite zeigt der Autor (etwa am Beispiel des abgesetzten Hochkönigs), das er mehrdimensionale Figuren zum Leben erwecken kann.

Neben dem gut ausgearbeiteten großen Rahmen der Geschichte wirken einzelne Handlungsstränge zu wenig durchdacht, wodurch sie an Glaubwürdigkeit verlieren. So sind die Schwestern Laurins wochenlang ohne Ausrüstung durch unbewohntes, kaltes Gebirgsland unterwegs und obwohl sie als Mitglieder des Hochadels sicherlich wenig Erfahrung mit dem Überleben in der Wildnis haben, kommen sie ohne größere Blessuren voran.

Der Bösewicht in der Geschichte sind in ersten Linie die Haronen, für deren unmenschliche Grausamkeit der Autor bislang keine Erklärung liefert; anscheinend haben sie als Kollektiv einfach Spaß an der Gewalt. Überhaupt wird für mein zartes Gemüt im "Bund der Raben" manchmal zu unmotiviert gefoltert, massenvergewaltigt und gemordet.

Ein guter Teil des Buches befasst sich mit der Einführung der politischen Situation und der Charaktere. Es empfiehlt sich also den Nachfolger "Der Rücken der Schildkröte" parat zu haben in dem die Geschichte abgeschlossen wird - schon weil viele Charaktere den ersten Teil mit einem Cliffhanger beenden.

Die Sprache gefällt mir gut, nur manche Stellen hätten eine Überarbeitung noch vertragen können. Mirko Thiessen weiß sich bildhaft und wortreich auszudrücken und es fiel mir leicht den Roman an einem Stück durchzulesen.

"Der Bund der Raben" zeigt viel Potential, kämpft aber noch darum sein eigenes Profil zu entwickeln. Für ein Buch ohne die Unterstützung eines großen Verlages ist die Qualität überraschend hoch. Ich werde auf jeden Fall auch den zweiten Band lesen um zu sehen wie sich die Geschichte weiter entwickelt.

Fazit:

Breit angelegte, epische Fantasy mit einigem Potential.