Die dunkle Herrlichkeit

Buch: Die dunkle Herrlichkeit
"In der Nacht hatte ich, um schlafen zu können, das Fenster offen gelassen. Da ich aber um die Anwesenheit jener Wesen wußte, war ich in violette Träume gefallen, aus denen ich alle Augenblicke unter dem Eindruck, von weißen Beinchen an den Schenkeln berührt zu werden, aufgeschreckt war. "
Gebunden, 127 Seiten; erschienen März 2007 im Mitteldeutscher Verlag ; 16,00 Euro

Worum es geht

Die Frau eines Obsthändlers gibt sich über dem Geschäft ihres Mannes mit seinem Lehrling dem Ehebruch hin. Als die Tochter zu früh aus der Schule kommt erzählt sie dem Vater von den seltsamen Geräuschen aus dem oberen Zimmer und die Geschehnisse nehmen ihren unheilvollen Lauf.

Währenddessen wird der Hausverwalter Georg Schroth bei dem Rentner Heppler vorstellig, der vereinsamt zwischen staubigen Erinnerungen und tabakgelben Wänden haust. Zu Besuch hat er sonst nur seine Toten, mit denen er im Streit liegt.

Im selben Haus wohnt auch die Sekretärin Karin Poignard. Gefangen zwischen einer unerfüllten Ehe und einem strafenden Gott sucht sie Erlösung indem sie sich den ungesunden Gelüsten des Herrn Schroth hingibt.

Der Fantasybote meint

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Ein einziger dunkler Bewußtseinsstrom fließt durch das Buch und inkarniert sich in den drei Personen welche die Geschichte erzählen - dem Rentner Heppler, Georg Schroth und Karin Poignard. Alle drei sind von einer schwarzen, schauerlichen Sehnsucht erfüllt, die sie aus dem kleinstädtisch wirkenden Alltag der sie umgibt in eine andere Welt entführt.

Graue Motten leben in den Wänden, Ungeheuer kriechen aus dem Blumenmuster der Tapeten; Es ist stickig und schwül. Der Autor zeichnet eine bedrückende und einengende Atmosphäre die einem die Luft abschnürt und doch mit seltsamer Faszination zum Weiterlesen zwingt.

"Die dunkle Herrlichkeit" ist ein ungewöhnliches Buch, das sich eher in den weiteren Bereich der Phantastik einordnet. Dennoch ist es eine Empfehlung wert. Vom Besuch Georg Schroths bei Herrn Heppler ausgehend windet sich die Erzählung in kunstvollen Pfaden. Zunächst harmlos scheinenden Details gewinnen im Laufe der Geschichte eine tiefere Bedeutung, die sich zu einem zunehmend beunruhigenden Puzzle zusammen fügen.

Mit einem Umfang von 127 Seiten ist das Buch gerade für den an Endloszyklen gewohnten Fantasyleser recht kurz. Sprachlich auf hohem Niveau verfasst liest es sich dennoch sehr flüssig. Manche Formulierungen - wie "meine Müdigkeit hüllte mich in einen roten Mantel" - unterbrachen meinen Lesefluss allerdings, hier entwickelt sich für mich kein rechtes Bild.

Hervorragend gelungen ist dem Autor die Art und Weise wie die Erzählung auf verschlungenen Wegen die Geschichte und ihre Protagonisten aus immer neuen Perspektiven beleuchtet. Leider wirkt der innere Dialog an machen Stellen etwas gekünstelt. Das macht es nicht einfacher, sich mit den Hauptpersonen zu identifizieren - doch das ist wohl auch gar nicht die Absicht des Autors.

"Die dunkle Herrlichkeit" bietet keine Auflösung, die Erzählung bleibt episodisch, wofür das Buch genau die richtige Länge hat. Mit seiner anspruchsvollen Erzählweise richtet sich das Buch auf jeden Fall an Erwachsene.

Fazit:

Ein dichter und ungewöhnlicher phantastischer Roman für Erwachsene