Die Nebelsängerin

Buch: Die Nebelsängerin
"Schwefelgeruch lag in der Luft, als Ajana erwachte. Ihre Schulter schmerzte, und ihr Magen rebellierte. Vorsichtig öffnete sie die Augen. Weit über ihr spannte sich der nächtliche Himmel wie ein dunkler samtener Teppich, der mit abertausend funkelnden Sternen besetzt war. Ein großer und ein kleiner Mond standen am Himmel, doch während der große ein sanftes silbernes Licht zur Erde sandte, leuchtete der kleine kupferfarben. Zwei Monde? Nie zuvor hatte Ajana zwei Monde am Himmel gesehen."
Broschiert, 458 Seiten; erschienen März 2006 im Piper Verlag ; 9,95 Euro

Mit der "Nebelsängerin" startet der Zyklus "Das Erbe der Runen" Die Erstausgabe kam in aufwändig gestaltetem Hardcover inklusive Musik-CD heraus. Seit März 2006 ist eine günstige Taschenbuchausgabe erhältlich.

Worum es geht

Vor 600 Jahren flohen die fünf Stämme vor den Dunklen Gottes nach Nymath. Zusammen mit den Elben, die von einem wandernden Stern über Meer geführt wurden, vertrieben sie das Volk der Uzoma in die karge Steppe nördlich der Berge. Hier lauern die Uzoma noch heute voller Zorn darauf, ihre alte Heimat zurück zu erobern.

Lange hinderte sie ein undurchdringlicher magischer Nebel daran. Einst von einer mächtigen Elbenpriesterin geschaffen, muss der Nebel regelmäßig erneuert werden. Ihre Nachkommen leben vor dem Dunklen Gott verborgen in unserer Welt und aus jeder Generation muss eine "Nebelsängerin" nach Nymath reisen um den Zauber neu zu weben.

Doch nun wurde ihre Reihe unterbrochen und die Nebel haben sich aufgelöst. Die weit überlegenen Horden der Uzoma bestürmen die die Festung im Grinlortal, welche den einzigen Pass nach Nymath bewacht. Menschen und Elben führen einen verzweifelten Abwehrkampf, die unabwendbare Niederlage schon vor Augen.

Währenddessen fiebert in unserer Welt Ajana ihrem 16 Geburtstag entgegen. Ihre Freude wird von einer Serie mysteriöser Unfälle getrübt, durch die sie beinahe getötet wird. Sie erbt überraschend ein uraltes, runengeschmücktes Amulett. Bald darauf erwacht das magische Lied der Runen in Ajana und trägt sie mit sich fort nach Nymath.

Eine kurze Leseprobe findest Du hier: Leseprobe

Der Fantasybote meint

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Die "Nebelsängerin" lehnt sich stark an Bekanntes an. Um Nymath zu retten muss Ajana die Nebel neu erschaffen. Die Handlung bewegt sich temporeich und ohne viele Überraschungen auf ihren Höhepunkt zu.

Bekannte Charaktere

Die Charaktere sind ebenfalls zu sehr an bekannten Stereotypen angelehnt und entwickeln zu wenig eigene Persönlichkeit. Das Keelin zum Falkner ausersehen ist wird nach spätestens drei Seiten offensichtlich. Die Verwandlung von Abbas, dem verachteten Küchenjunge, zum furchtlosen Krieger verblüfft hauptsächlich dadurch, wie schnell und problemlos sie sich vollzieht.

Die Welt bleibt in schwarz-weiß gemalt. Die Bösen sind machtbesessene Psychopathen, die sich an Folter und sexuellen Abartigkeiten ergötzen. Die Guten bleiben trotz aller furchtbaren Verluste aufrecht, edel und gut.

Ajana findet sich überraschend schnell in Nymath zurecht und überwindet die Hindernisse auf ihrem Weg ohne große Probleme. Routiniert werden die Stationen des Weltrettungsplans abgehakt. Allenfalls am Ende des Buches beschleichen Ajana echte Zweifel an ihrem Tun. Ihr Charakter bleibt etwas farblos. Einige der Nebenfiguren wie Malaya oder die Uzoma-Rebellin Faizah erscheinen im Vergleich lebendiger.

Am Anfang werden sehr viele Charaktere und Schauplätze eingeführt, die Erzählperspektive wechselt manchmal alle zwei Seiten. Das erschwert es dem Leser mit den Charakteren warm zu werden und einige gute Ideen werden zu oberflächlich abgehandelt.

Lose Enden

Das Buch ist deutlich als Einführung in den größeren Handlungsbogen der Serie angelegt. Das führt leider zu einigen losen Enden. So findet das Buch keinen befriedigenden Abschluss und wirkt streckenweise wie eine Einleitung. Zwar sind die Nebel neu erschaffen, doch das Heer der Uzoma ist weiter in Nymath. Die böse Hohepriesterin treibt weiter ihr Unwesen; Abbas und Mayleas Handlungsstrang endet mit einem großen Cliffhanger.

Die Geschichte der Uzoma-Rebellin Faizah ist in keiner Weise mit der Haupthandlung des Buches verwoben. Vielleicht tritt sie in den Folgebänden mit den anderen Charakteren zusammen? Für den Plot der "Nebelsängerin" ist ihr Handlungsstrang aber überflüssig.

Das Baukastenprinzip

Vieles an der "Nebelsängerin" wirkt zu bekannt. Die heimatlosen, seefahrenden Elben wirken wie ein Mischung aus Tolkiens Elben und Tad Williams Sithi. Ihre Sprache ist von Tolkien entlehnt (Sindarin!) genauso einige Namen wie Cirdan oder Feanor. Das magische Runensystem ist eins zu eins aus der nordischen Runenlehre entliehen.

Das ist an sich noch nicht schlecht; als Schriftsteller baut man immer auf dem Werk seiner Vorgänger auf. Hier verbinden sich die einzelnen Inspirationen aber nicht zu einem eigenständigen Werk, sondern wirken wie ein unvollendeter Bausatz.

Schade. Mit etwas mehr Sorgfalt hätte "Die Nebelsängerin" ein gutes Buch werden können. Denn eigentlich versteht die Autorin ihr Handwerk; sie kann spannend und flüssig erzählen und ihre Sprache ist bildreich und ausdrucksstark. So bleibt zu hoffen, das die Geschichte in den Folgebänden mehr Eigenleben entwickelt.

Fazit:

Gradlinig erzählte Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse mit vielen Protagonisten und etwas absehbarer Handlung.