Die Sturmrufer
Die Meerland-Chroniken
,
Band 1
Hardcover,
304 Seiten;
erschienen 2007 im
Ueberreuter Verlag
; 16,95 Euro
"Die Sturmrufer" sind der Auftakt zur Trilogie "Die Meerland-Chroniken", die Nina Blazon in der selben Welt wie ihre wunderbare "Woran-Saga" angesiedelt hat. Das Buch ist der "Meister der Fantasy"-Reihe im Ueberreuther Verlag erschienen, und liegt als solide gebundenes Hardcover im Taschenbuchformat vor. Die Titelgestaltung passt farblich gut zur Stimmung des Romans, inhaltlich wirkt sie auf mich etwas nichtssagend. Worum es gehtDie junge, ungestüme Amber aus den Hinterland der Hafenstadt Dantar, träumt seit ihrer Kindheit vom Meer. Nach dem Tod ihrer Mutter zieht sie nach Dantar, um dort ein neues Leben zu beginnen. Das ist nicht einfach, denn die Einwohner der Stadt halten nicht viel von Außenseitern, die nichts vom Meer wissen. Um Bürgerin Dantars zu werden müssen zwei Bewohner für Amber bürgen. Die Stadt wird von verheerenderen Stürmen heimgesucht, die angeblich von bösen Magiern - den "Sturmrufern" - heraufbeschworen werden. Als Amber in solch einen Sturm hinein gerät, lernt sie Inu den Seiler kennen. Er bietet ihr an, bei den Bergungsarbeiten mitzuarbeiten. Solch eine Gelegenheit in Dantar Fuß zu fassen kann Amber nicht ausschlagen und so bricht sie zusammen mit Inu, der ebenso schönen wie traurigen Taucherin Sabin und dem Navigator Tanjen auf. Sie sollen die Ladung aus einem havarierten Schiff der aus der Woran-Saga bekannte Kapitänin Sumal bergen. Doch ihr kleines Ruderboot wird von einem erneuten Sturm erfasst, der sie an das Ufer einer unbekannten und unheimlichen Insel spült. Die Gestrandeten finden Unterschlupf in einer verlassenen Festung und müssen schon bald feststellen, dass es auf der Insel nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Natur selbst scheint aus den Fugen geraten und es mehren sich die Hinweise, das hier der Schlüssel zu den Stürme, die Dantar heimsuchen, verborgen liegt. Die vier Hauptpersonen müssen zusammen an ihrer Rettung arbeiten, obgleich unterschwellige Konflikte zwischen ihnen brodeln. Seitdem Tanjen sich den Navigatoren angeschlossen hat, die im Verdacht stehen sich mit verbotener Magie zu befassen hat er sich sowohl von seinem alten Freund Inu als auch von Sabin, seiner Geliebten, entfremdet. Sabin wiederum zeigt der "Ausländerin" Amber ihre Verachtung. Auf dieser Konstellation der Charaktere baut die Geschichte auf; um von der Insel zu entkommen und das Geheimnis der Stürme zu lösen müssen sie ihre Konflikte zurück stellen. So dreht sich die Geschichte eher über die Animositäten und Vorbehalte zwischen den Charakteren, denn um die Themen eines klassischen Fantasy-Romans. Der Fantasybote meintDie Geschichte wird aus der Perspektive der vier Hauptpersonen erzählt, wobei der Löwenteil auf Amber entfällt. So kann der Leser einen Blick in das Leben und Fühlen jeder Figur hineinzuwerfen. Alle haben sie helle und dunkle Seiten, jeder hat etwas zu verbergen und muss gegen Geister aus seiner Vergangenheit ankämpfen. Im Verlauf der Erzählung lüftet die Autorin nach und nach die Geheimnisse der vier unfreiwilligen Gefährten. Allerdings bin ich beim Lesen keiner der Figuren wirklich nahe kommen - vielleicht weil sie sich auf der Gefühlsebene nicht genug entwickeln. Amber ist auf jeden Fall ein interessanter Charakter, aber das ungestüme Mädchen, das die Anderen stets vor den Kopf stößt kann die Geschichte nicht allein auf ihren Schultern tragen. Auch hätte ich mir gewünscht, das Rätsel um die Insel zusammen mit Tanjen intensiver erforschen und mit ihm zusammen die Wahrheit entdecken zu dürfen. So wird die Lösung erst zum Ende geliefert und das Meiste bleibt für den Leser im Dunklen - das regt nicht recht zum Miträtseln an. Das Setting der Haupthandlung - die Insel - bleibt überschaubar. In den Sturmrufern liegt der Fokus mehr auf den Interaktionen zwischen den Charakteren sowie deren Motiven und Geheimnissen - ganz im Gegensatz zur Woran-Saga, bei der die Helden durch mystische und faszinierende Gegenden reisen um ganze Königreiche zu retten. Was Nina Blazons Werk einmal mehr hervorhebt und auszeichnet ist ihr hervorragendes Sprachgefühl. Mit sparsamen, poetischen Beschreibungen erweckt die Autorin ihre Welt eindrücklich zum Leben. Vom Handlungsaufbau, Spannung und Identifikationspotential fallen "Die Sturmrufer" für mich aber ein bisschen hinter die Woran-Saga zurück. Eine der Hauptpersonen beendet die Geschichte übrigens mit einem dicken Cliffhanger der mich etwas unbefriedigt zurück lässt. Fazit:intensives Fantasy-Charakterspiel auf einer verwunschenen Insel |
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