Die Zweite Legion

Buch: Die Zweite Legion
"Der Umhang des Nachtfalken wallte auf, schien sich in Rauch und Nebel zu verwandeln. Stahl klirrte auf Stahl, unterbrochen von gepressten Atemzügen, leisem Stöhnen und einem Zischen wie von einer gereizten Schlange. In der Dunkelheit schien es mir, als ob der Kampf sich nicht nur am Boden abspielte, sondern als ob auch Wände und Decke des Kanals ihren Füßen Halt boten. Ein Schatten wand sich um den anderen, silberner Stahl wurde von schwarzem abgewehrt, einmal entstand mit einem puffenden Geräusch dichter Rauch, dem Klirren zerbrechender Phiolen folgten bittere Gerüche. Dann Stille."
Broschiert, 425 Seiten; erschienen März 2007 im Piper Verlag ; 8,95 Euro

Mit "Die Zweite Legion" legt Richard Schwartz die Fortsetzung seines Debüts "Das Erste Horn" vor. Streng genommen handelt es sich dabei um den ersten Teil des zweiten Bandes, da das Manuskript aufgrund seiner Überlänge aufgeteilt wurde.

Das Coverbild zeigt eine Wüstenlandschaft, die atmosphärischen gut zur Handlung paßt, obgleich es keine Szene derselben darstellt. Eine Landkarte wäre schön ist aber bei dem günstigen Preis wohl nur schwer zu realisieren.

Worum es geht

Die Handlung schließt nahtlos am ersten Band an. Die Helden erholen sich in der Kneipe "Zum Hammerkopf" vom Kampf gegen den bösartigen Magier Balthasar. Die Hauptfiguren sind Ser Havald, dem sein Bannschwert "Seelenreißer" die Lebenskraft der Erschlagenen überträgt; Leandra, eine mächtige aber unerfahrene Halbelfenmagierin und die fremdartige Dunkelelfin Zokara, die von den Menschen wegen ihrer Grausamkeit gefürchtet wird.

Leandras Heimat Illian droht die Invasion durch das übermächtige, finstere Imperium von Thalak. Auf der Suche nach Hilfe ist sie unterwegs ins legendäre Kaiserreich Askir doch der Winter hat die Pässe unpassierbar gemacht. Da weiht der rätselhafte Geschichtsgelehrte Kennard sie in das Geheimnis der magischen Toren ein, durch die sie ohne Zeitverzug nach Askir reisen könnten.

Mit einer bunten Schar von Nebencharakteren brechen Havald, Leandra und Zokara zu den Ruinen der Donnerfeste auf in denen sich das nächstgelegene Tor befindet. Nachdem sie viele Gefahren überwunden haben durchschreiten sie das Tor und finden sich im dekadenten Wüstenreich Bessarein wieder.

Auf dem Weg in die imperiale Stadt Askir werden sie von skrupellosen Nekromanten, hinterlistigen Dieben sowie Agenten aus Thalak aufgehalten und unweigerlich in die internen Konflikte Bessareins hinein gezogen.

Der Fantasybote meint

Buch kaufen bei:  

Im ersten Band hat sich der Autor auf einen Schauplatz und die persönliche Geschichte Havalds konzentriert. Nun breitet er ein üppiges Panorama exotischer Schauplätze und politischer Intrigen vor dem Leser aus. Die Kehrseite dieses reichen Tableaus ist, das die Haupthandlung nur wenig voran kommt. Ich bin auch gespannt, wie Autor alle losen Enden in den verbleibenden zwei Bänden zusammen führen will, zumal sich die Hinweise verdichten das die Reise der Helden auch für Askir von entscheidender Bedeutung ist.

Der Autor schöpft erneut aus seiner Rollenspielerfahrung. Da gibt es den mysteriösen Auftraggeber, der die Heldengruppe zu Beginn mit allen nötigen Informationen versorgt oder die Zufallsbegegnungen mit allerlei Monstern.

Auch der Weltentwurf verlässt diesen Rahmen nur selten, was dem Buch aber nicht zum Nachteil gerät. Auf dem gut ausgearbeiteten Hintergrund baut der Autor eine stimmige Welt mit einiger Tiefe auf, die er durch die gelungene Darstellung seiner Charaktere zum Leben erweckt.

Die Sprache ist frisch und unverbraucht; regelmäßig eingestreute komische Szenen
lockern die Handlung angenehm auf. Die Geschehen wird aus der Perspektive Ser Havalds geschildert, dessen trockenen Humor den Leser schnell für sich einnimmt. Er erinnert zunehmend an den tragischen "Ewigen Helden" - nicht von ungefähr erinnert sein Bannschwert "Seelenreißer" an Elrics Sturmbringer. Es entwickelt langsam einen unbändigen Appetit auf die helle Seele Leandras; da zusätzlich ein möglicher Ersatz für ihre Rolle aufgebaut wird stellt sich die bange Frage, ob Leandra die Geschichte überleben wird.

Die größte Entwicklung macht Zokara durch; das Studium der Menschen lässt sie ganz neue Seiten an sich entdecken. Das ist bisher behutsam und glaubwürdig umgesetzt; eine zu starke "Vermenschlichung" würde die Faszination ihres Charakters schmälern. Leandra bleibt mehr oder minder die Selbe was daran liegen mag das sie wenig "Screentime" erhält.

Ein großes Plus des Buches ist der große und bunte Stab an Nebencharakteren. Zu alten Bekannten wie Janos und Sieglinde gesellen sich einige neue Gesichter, etwa die Assassine Natalyia oder der etwas zu redegewandte Armin.

Nicht überzeugen kann Kennard in seiner Funktion als historische Auskunftei. Er hat zu viele Lösungen parat, ohne das sich jemand wirklich darüber wundert, woher sein Wissen stammt oder wieso er es so freimütig teilt. Klar wird nur, das er wesentlich mehr als ein einfacher Geschichtsgelehrte ist.

Es macht Spaß "Die Zweite Legion" zu lesen, die Geschichte ist lebendig und spannend erzählt. Leider wird der Leser nach knapp 420 Seiten abrupt aus den Weiten Bessareins herausgerissen - aufgrund der Teilung des Manuskriptes bleiben zu vielen Fragen ungeklärt. Schwer verständlich scheint da die Entscheidung des Verlages, die zweite Hälfte erst im Herbst 2007 zu veröffentlichen.

Fazit:

Ein lebendiges und vergnüglich zu lesendes Fantasy-Abenteuer, das leider viel zu früh mit einem "Fortsetzung folgt"-Schild endet.