Drachenwächter - Die Prophezeiung

Buch: Drachenwächter -  Die Prophezeiung
Drachenwächter , Band 1
"Seld wendete sich von Quint ab und hielt nach dem Jungen Ausschau. Dieser rannte über den Marktplatz, warf gehetzte Blicke umher. Dann sah er Seld, kam auf ihn zugeeilt, fiel schwer atmend vor ihm auf die Knie. "Drachen ... die Drachen", flüsterte er atemlos.
Seld ging in die Hocke und packte den schmächtigen Jungen an der Schulter. "Frun, was ist mit den Drachen?"
"Die Drachen ... die Drachen", wiederholte der Junge. Er schaute zu Seld auf, schluckte. "Die Drachen kommen." Seld stand auf, legte den Kopf in den Nacken. Sein Blick wanderte zum Himmel über den Koan-Bergen. Nicht ein Drache flog dort. Ein Geräusch erhob sich, als rollten tausende Wagen heran, und der Boden erzitterte unter Selds Füßen. "
Gebunden, 352 Seiten; erschienen März 2007 im Spreeside Verlag ; 14,99 Euro

"Drachenwächter - Die Prophezeiung" ist eine doppelte Premiere: das erste Fantasy-Projekt aus dem Berliner Spreeside-Verlag und gleichzeitig die erste Romanveröffentlichung von Falko Loeffler. Zeitgleich zur Druckausgabe ist auch eine gekürzte Fassung als Hörbuch auf 5 CDs erschienen.

Der erste Eindruck ist von den Drachenwächtern ist sehr positiv. Das Buch liegt als solides Hardcover mit Schutzumschlag zu einem günstigen Preis vor. Mit der typographischen Gestaltung hat sich der Verlag viel Mühe gegeben; eine nette Idee sind die (wahrscheinlich drachischen) Hieroglyphen in den Überschriften und im Seitenfuß. Einzig eine Karte hätte ich mir noch gewünscht.

Worum es geht

Auf den Koan-Bergen wachen seit Urzeiten die goldenen Drachen über die Menschen von Derod und beschützen sie vor den Dämonen aus dem Ödland. Seld Esan, der Vorsteher des Dorfes Hequis, das am Fuße der Berge liegt wird seit dem gewaltsamen Tod seiner Frau von erschreckenden Visionen heimgesucht, in denen ihm die Drachen etwas scheinbar höchst Wichtiges mitteilen wollen.

Eines Morgens verlassen die Drachen zum Schrecken der Menschen und völlig entgegen ihrer Natur zu Fuß die Koan-Berge. Die Hequiser beschließen ihnen zu folgen um nicht den legendären Dämonen zum Opfer zu fallen. Damit beginnt für Seld und seine Freunde eine abenteuerliche und gefahrvolle Reise die sie tief in die Schuld ihrer Vergangenheit und weit über das Land der Menschen hinaus führen wird.

 

Hier gibt es das erste Kapitel als Leseprobe

Der Fantasybote meint

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Das Buch ist in 23 Kapitel eingeteilt und folgt mit kurzen Abweichungen dem Weg Selds. Im Groben lässt sich die Handlung in zwei Hälften aufteilen. Die erste Teil handelt von der Reise in die vermeintliche Sicherheit der Hauptstadt Klüch. Hier kommt es zur ersten Konfrontation mit Talut Bas, dem Bösewicht der Geschichte und hier hört Seld auch zum ersten Mal die titelgebende "Prophezeiung". Im zweiten Teil reisen die Helden über das Meer ins Unbekannte; mehr sei hier nicht verraten.

Das Hauptmotiv der Geschichte ist die Reise der Helden. An vorderster Stelle steht Seld, ein Charakter voller Brüche; Er dient seinem Dorf als Vorsteher obwohl die Menschen dort für den Tod seiner Frau Alema verantwortlich sind.

Der Antagonist, Talut Bas, ist kein geringerer als der Herrscher von Derod - und er hat mit Seld noch eine persönliche Rechnung offen. Talut ist ein machtbesessener Psychopath und der Autor versucht gar nicht erst seine Handlungen psychologisch zu rechtfertigen, was mir allemal lieber ist als ein halbherziges Feigenblatt in Form einer angedeuteten schlimmen Kindheit. In Klüch lebt auch Mesala, die jüngere Schwester von Alema. Sie ist voll Groll auf Seld aufgewachsen, den sie nur als den Mörder ihrer Schwester kennt.

Das Buch platzt fast aus seinen Nähten, so viel Handlung, Personen und Hintergrund hat der Autor in den knappen 350 Seiten untergebracht. Das erzeugt eine Menge Spannung und hält den Leser bis zum Ende ans Buch gefesselt. Manchmal scheint mir das aber zu viel des Guten; es bleibt für die einzelnen Geschichten und Personen sehr wenig Raum. Sie haben es trotz oder gerade weil der Autor so viel erzählt nicht leicht ein eigenes Profil zu entwickeln.

Die Handlung macht es ihnen in dieser Hinsicht auch nicht einfach; fast bis zum Schluss laufen die Helden den Drachen (und der Prophezeiung) hinterher. Ich verbuche das dieses mal unter "Lehrzeit" und bin gespannt wie sich die Protagonisten im nächsten Band entwickeln.

Falko Loeffler hat seine Erzählung um die Drachen herum aufbaut. Damit geht er kein kleines Wagnis ein; kaum ein anderer mythologischer Topos ist so dicht besetzt. Zum Glück gelingt es ihm den Drachen überraschende, neue Facetten abzugewinnen. Ein kleiner ganz persönlicher Wermutstropfen ist, das ich einige der Namen wie "Osertem", "Ajik" oder "Klüch" nicht sehr eingängig finde.

Im letzten Teil wird die Geschichte richtig rund. Nachdem der Autor die Leser lange Zeit auf eine falsche Fährte gelockt hat löst er die Geschichte mit einer überraschenden und befriedigenden Wendung auf.

Das Buch ist in sich abgeschlossen, lässt aber genügend interessante Anknüpfungspunkte offen. Es richtet sich an Erwachsene, für Jugendliche oder gar Kinder würde ich es nicht empfehlen. Ich hoffe das der Spreeside-Verlag die Reihe fortsetzt, denn in weiteren Bänden könnte der Autor von dem hier gelegten Fundament ausgehend mehr in die Tiefe erzählen. Mit Seld und Mesala hat er mindestens zwei Charaktere geschaffen, über die ich gerne mehr erfahren würde.

Fazit:

Eine actionreiche Abenteuerreise nicht nur für Drachenfans.