Geschichten eines Krieges

Buch: Geschichten eines Krieges
"Wie ein Racheengel stand Neda in ihrem weißen, blutbespritztem Nachthemd da, ihre Waffe in der Rechten. Man konnte sehen, wie die vernähte Wunde vom Hals abwärts unter ihrem Gewand verschwand. Eine dunkle Aura umgab ihre bleiche Gestalt und ihre langen Haare wehten im Wind, sodass sie fortwährend neue Muster um sie herum bildeten."
Hardcover, 384 Seiten; erschienen September 2008 im Verlag Peter Hopf ; 14,90 Euro

Die Autorengruppe Drachenkinder legt mit den "Geschichten eines Krieges" ihre zweite, 380 Seiten starke Anthologie vor. 26 Autoren haben jeweils eine Geschichte zu dem umfangreichen Band beigetragen.

Worum es geht

Die Autoren nehmen sich dem Thema "Krieg" aus sehr unterschiedlichen und manchmal überraschenden Richtungen an. Neben kalten, machtgierigen Magiern und brutalen Orks tauchen auch ungewöhnliche Gestalten wie krähenreitenden Waldmännchen und kindliche Kannibalen auf.

Im Klappentext heißt es zum Buch:

"Der Krieg hat viele Gesichter, die meisten sind äußerst hässlich. Doch unter all dem Blut und Leid, Verrat und Verachtung findet man ab und an Liebe, Tapferkeit und Hoffnung." Das trifft den Inhalt recht gut. Der Band ist nichts für zart besaitete oder junge Leser. Mord, Totschlag, Vergewaltigung oder Folter - kaum ein Beitrag verzichtet auf explizite Gewalt die häufig sehr bildlich dargestellt wird. Die wenigsten Geschichten finden den Protagonisten am Ende glücklich - oder nur am Leben vor.

Der Fantasybote meint

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Viele Geschichten haben mich beim lesen mitgerissen - nicht selbstverständlich für eine "selbstverlegte" Anthologie. Allerdings musste ich nach den ersten beiden Geschichten eine Lesepause einlegen. Die Helden dieser beiden Geschichten erleiden ein trauriges und grausames Schicksal. Konnte ich ein weiteres Desaster in der nächsten Geschichte ertragen? Besorgt habe ich die dritte Geschichte in Angriff genommen, die dann zum Glück für den Helden ein gutes Ende nimmt. Dieser Zwiespalt zwischen der Befriedigung eine gut geschriebene Geschichte gelesen zu haben und der Angst davor die nächste zu beginnen ("oh Gott, geht die wieder so schlimm aus? Hoffentlich nicht!") zog sich für mich durch das ganze Buch.Für meinen Geschmack waren die "glücklichen" Momente gerade zahlreich genug, um mich bei der Stange zu halten. Und es hat sich gelohnt dabei zu bleiben, denn manche Geschichten sind wirklich gut gelungen.

Am Besten gefallen haben mir "Die Dunklen Mächte" von Nina Horvath und "Lass sie nicht von Dir singen" von Klaus Mundt. In "Die Dunklen Mächte" kehrt eine Soldatin mit einem schrecklichen Geheimnis nach Hause und zu dem sehr seltsamen Familienmaskottchen zurück. In "Lass sie nicht von Dir singen" versucht ein rechtschaffener Mann dem eigenen Heldentum zu entgehen. Andere Geschichten empfand ich allerdings als gewalttätig ohne Not, etwa "Das Glockenspiel" in welcher der Junge Lodislas nicht nur miterleben muss wie seine gesamte Familie mit Ausnahme seiner Schwester dahingeschlachtet wird sondern gleich danach auch noch wie eben jene Schwester vergewaltigt wird.

Ein formaler Kritikpunkt: beim Satz der Texte wurde auf die Leerzeilen zwischen den Absätzenverzichtet. Das hat meinen Lesefluss häufig unterbrochen, da ich ohne es zu bemerken von einem Teil der Geschichte in den nächsten gestolpert bin.

Fazit:

Eine Facettenreiche und lesenswerte Anthologie für alle, die keine Probleme mit expliziter Gewaltdarstellung haben.