Im Labyrinth der alten Könige

Buch: Im Labyrinth der alten Könige
"Nebel hatte sich erhoben und wehte über die stille Wasseroberfläche. Im frostigen Wind glaubte Julin zu erkennen, wie sich Figuren bildeten, die in geisterhaftem Tanz über den Seespiegel wirbelten. Die Ahnung von Magie, die ihn mit kühlem Kuss berührte, sagte ihm, dass es kein gewöhnlicher Nebel war. Leise pfiff er eine Tanzmelodie und die Gespenster der Ertrunkenen wandten sich ihm zu, drehten sich, blickten mit hohlen, ausdruckslosen Mienen zu ihm und hüllten sich wieder in den Nebelschleier."
Gebunden, 360 Seiten; erschienen Juli 2004 im Ueberreuter Verlag ; 19,95 Euro

"Das Labyrinth der alten Könige" ist der zweite Teil von Nina Blazons Woran-Saga. Für die schöne Austattung der Hardcoverausgabe mit Schutzumschlag, Lesebändchen und gediegen gestaltetem Vorblatt hat der Verlag ein großes Lob verdient. Selbst das Cover zeigt einen Schauplatz der Handlung, was im Fantasybereich ja leider nicht die Regel ist. Der Roman ist inhaltlich abgeschlossen und kann für sich alleine gelesen werden.

Worum es geht

Seit dem "Bann des Fluchträgers" ist viel Zeit vergangen. Darian Danalonn ist zum Meistermagier gereift und reist mit seinem Schüler Julin ins Bergland von Lom. Auf dem Weg zur großen Magierversammlung in der Stadt Ruma werden sie von dämonischen Reitern überfallen; nur knapp rettet sie das Eingreifen der Stadtwache.

Bei der Versammlung wird Darian das Opfer eines Attentats. Unzufrieden mit den offiziellen Untersuchungen beginnt Julin auf eigene Faust Nachforschungen über die Hintergründe anzustellen; dabei helfen ihm die Halbworan Haliz und die Jägerin Fenja.

Die Spur führt sie ins "Labyrinth der alten Könige", die uralten Silberminen von Lom. Die Gänge und Höhlen unter dem riesigen Berg waren einst die Heimstatt der unmenschlichen Worankönige und noch heute bergen die Stollen schreckliche Geheimnisse.

Eine Leseprobe findet sich auf der Homepage der Autorin: Leseprobe

Der Fantasybote meint

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Die Geschichte wird aus Julins Perspektive geschildert. Er spielt meisterhaft auf der Stabharfe und ist auch dem Glücksspiel nicht abgeneigt - ist er doch in der berüchtigten Kneipe "Skoblins Eck" aufgewachsen. Mit seiner rothaarigen, sommersprossigen Erscheinung ist Julin sehr unzufrieden und hält nur wenig von seinen Fähigkeiten als Zauberer. Sein Charakter ist trotz seiner manchmal etwas anstrengenden Naivität sehr sympathisch geschildert.

Haliz die Halbworan ist eine faszinierender Person, doch leider verändert sie sich im Laufe der Handlung kaum und gewinnt wenig eigenes Profil.Die Jägerin Fenja vermag den Leser mit ihrer mysteriösen Vergangenheit voll dunkler Geheimnisse stärker zu fesseln.

Sie ziehen zusammen aus um das Geheimnis um Darians Unglück zu lösen, wobei sie in allerlei ernste Schwierigkeiten geraten. Dabei entspinnt sich zwischen ihnen eine zerbrechliche Freundschaft mit romantischen Untertönen.

Viele scheinen in dem Fall verwickelt, etwa Vilas der Schauspieler oder die Wirtin Abelina. Sowohl von den Räten aus Ruma als auch von Fenja weiß der Leser lange nicht, was sie wirklich im Schilde führen.

Nach einem actionreichen Auftakt entspinnt sich die Handlung verhaltener um zum Ende hin wieder sehr spannend zu werden. Die Geschichte wird angenehm dicht und temporeich, aber nicht zu hastig erzählt. Ihre Auflösung ist überraschend und im Großen und Ganzen schlüssig entwickelt. Allerdings scheint mir die Motivation einiger Beteiligten nicht vollständig nachvollziehbar und das Dreiecksverhältnis zwischen Julin, Haliz und Fenja wird etwas zu einfach aufgelöst.

Die Autorin bindet ihre Figuren mit liebevolle Sorgfalt in die Geschichte ein, auch die Nebencharaktere wie die Stollenmeisterin Estima, Abelina die Wirtin oder der Höhlentreter Fingis. Ihr Schicksal wird geschickt mit der Haupthandlung verwoben, was der Geschichte Lebendigkeit und Tiefe verleiht.

Ein Großteil der Handlung spielt in den labyrinthischen Silberminen von Lom. Die klaustrophobische Stimmung in dem unüberschaubarem, riesigen Bergwerkskomplex wird sehr authentisch geschildert. Der Leser spürt förmlich das lastende Gewicht der Felsen über sich.

Lom wird von vielen phantastischen Kreaturen bevölkert. Pelzige Höhlentreter gehen um, sirenenhafte Bergnymphen lauern auf den unvorsichtigen Wanderer und gruselige Menschenfische treiben durch die Seen. Eine besonderes Vorliebe hat die Autorin anscheinend für Pferde. Unter anderem treten meergeborene Regenbogenpferde, riesige Schneepferde mit "Mähnen so dick wie Teppiche" und rote Lomer auf.

Neben dem gelungenen Weltentwurf beeindruckt Nina Blazon ein weiteres mal mit ihrer betörend schönen Sprache, die berührt ohne dabei in Klischees oder Kitsch abzugleiten. Die Verhältnisse in Lom weisen hingegen einige Ungereimtheiten auf. So erscheint es mir etwa zweifelhaft, ob das Regime der Handelsherren in der beschriebenen Form wirklich funktionieren könnte.

Das "Labyrinth der alten Könige" ist vorrangig ein Jugendbuch ohne umfassende psychologische Charakterzeichnung oder detaillierte Gewaltszenen; in seinen Rahmen funktioniert der Roman ausgesprochen gut, gerade Julin bietet sich als Identifikationsfigur für junge Leser an.

Ich hätte gerne mehr von den Helden des ersten Bandes gesehen. Darians Auftritt, der hauptsächlich als eine Art MacGuffin fungiert hat mich eher enttäuscht. Sein Schicksal als ein zentrales Themen der Handlung ließ mich seltsam unberührt.

Auf ihrer wohlgepflegten Homepage gewährt die Autorin ein paar amüsante Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Romans.

Bei Phabula kann der interessierte Leser signierte Exemplare bestellen.

Fazit:

Ein liebevoll ausgearbeiteter und spannender Fantasy-Roman für jugendliche Leser.