RabensturmMit "Rabensturm" legt der Heyne Verlag die vollständig überarbeitete Neuauflage dreier Romane von Bernhard Hennen. Der Band umfaßt die Titel "Der Tanz der Rose", "Die Ränke des Raben" und "Das Reich der Rache". Ursprünglich sind sie in der Reihe "Das Schwarze Auge" erschienen; die Handlung spielt also in der bekannten Rollenspielwelt von Aventurien. Für knapp 10 Euro verspricht "Rabensturm" mit seinen 900 Seiten Umfang eine Menge Lesespaß. Worum es gehtAuf dem Basar von Fasar erzählt der alte Märchenerzähler Mahmud die Geschichte von der verbotenen Liebe Omars zu Melikae. Omar ist nur ein Sklave und Melikae, die Tochter seines Herren eine begehrte Tänzerin. Als dritte Hauptperson der Erzählung tritt Melikaes Zofe Neraida auf, eine ehemalige Salzgängerin, die schon bald ihrem ganz eigenen Weg folgt. Die Geschichte wird im Laufe von Mahmuds Erzählung immer abenteuerlicher und dramatischer. Als der titelgebende "Rabensturm" in Form der finsteren Rabenkrieger von Al'Anfar über das Kalifat hereinbricht werden Omar, Melikae und ihren Gefährten unabwendbar in den Konflikt hineingezogen. Währenddessen wird Mahmud in der Gegenwart von einem geheimnisvollen düsteren Krieger verfolgt. Vom Hass getrieben presst den er einfachen Leuten, die sich mit Dankbarkeit an den Märchenerzähler erinnern erbarmungslos seine Wegstrecke ab und kommt ihm Tag für Tag immer näher. Der Fantasybote meintDer Roman spielt auf zwei Zeit-Ebenen; die Erlebnisse Mahmuds bilden die Klammer für die in der Vergangenheit liegenden Handlung um Omar, Neraida und Melikea. Diese Erzählform funktioniert recht gut; schon allein wegen seinem düsteren Verfolger wissen wir das Mahmud mehr sein muß als nur ein alter Märchenerzähler. Seine Kommentare und Gedanken halten das Interesse des Lesers wach, der darauf brennt zu erfahren wie Mahmud in seine eigene Erzählung paßt. Ist er eine der Personen von denen er so leidenschaftlich berichtet? Und wenn ja - welche? Die Geschichte spielt vor dem pseudo-orientalischem Hintergrund des "Kalifats". Bernhard Hennen gelingt es hervorragend, diese hitzeflirrende Welt zum Leben zu erwecken. Stolze Wüstenkrieger, deren ihre Ehre über alles geht liefern sich bittere Fehden; in den samtdunklen Nächten drehen sich verschleierte Tänzerinnen im Licht der Messinglampen. Man verehrt "Rastullah" und verachtet alle Ungläubigen, auf wenn man gerade von ihnen vernichtend geschlagen worden ist. Im Normalfall stehe ich "Rollenspiel-Romanen" sehr skeptisch gegenüber. Der "Rabensturm" hat mich hier positiv überrascht. Das Buch wartet mit sympathischen und glaubwürdigen Charakteren auf; der Plot beginnt dicht und bietet viele Überraschungen und mutige Wendungen. Mutig, da die Leser dem Autor für einige dieser Wendungen sicher zürnen werden. Es wird viel - manchmal sehr unverhofft - gestorben. Speziell bei einen Todesfall war ich höchst erstaunt - "das kann er doch nicht wirklich machen"? Doch, Bernhard Hennen kann es und zum Glück folgt keine magische Wiederbelebung. Wer hier stirbt bleibt tot. Um die Mitte herum verliert die Erzählung dann leider an Schwung. Die Spannung sinkt und die Haupthandlung beginnt zunehmend auf der Stelle zu treten. Unmerklich nimmt man die Wendungen des Plots nicht mehr als aufregende Überraschungen wahr, sondern als Ablenkungen auf dem Weg zur Auflösung der Handlung. Die Geschichte wird auf mehreren Ebenen zu sehr in die Länge gezogen. Exemplarisch sei hier die Krankheit von Omars Lehrer Gwenselah genannt. Schon seit Monaten hustet er Blut und ist stets dem Tode nahe - doch wenn es darauf ankommt ist er wieder fit wie ein Turnschuh, klettert über Stadtmauern und hält ganze Gruppen von Gegner auf. Leider empfand ich die Auflösung dann auch als wenig spektakulär. Das ist schade, umso mehr da der Roman so vielversprechend begonnen hat. Für drei einzelne Bücher mag der Umfang genau richtig gewesen sein, im Sammelband wäre weniger mehr gewesen. Etwa 100 Seiten kürzer und ich hätte den "Rabensturm" als vergnüglichen, spannend zu lesenden Abenteuerroman ohne Vorbehalte empfohlen. So aber sei der ungeduldige Leser gewarnt: nach dem sehr starken Beginn der Geschichte ist etwas Durchhaltevermögen gefordert. Fazit:Ein farbenfroher Abenteuerroman mit orientalischem Flair und leichten Längen in der zweiten Hälfte. |
Bewertung![]() Autor: Bernhard Hennen |