Bericht vom 11.Nordcon (erster Teil)

nordcon Eingang

Herausgeputze Orks in der U-Bahn, Neues von den Zwergen und das Problem mit zu kurzen Sturmleitern - der Fantasy-Bote auf dem 11. Nordcon in Hamburg.

Letztes Wochenende wurde der 11. Nordcon in Hamburg zelebriert. Fantasy-Literatur gehört traditionell eher zum Rahmenprogramm des Cons; dieses Mal gab es aber erfreulich viele Veranstaltungen, die auch seperat als FantasyLesetage promotet wurden.

Die Promotion hat sich allerdings ziemlich im Verborgenen abgespielt; nicht nur ich wurde erst durch ein Plakat direkt auf dem Con auf diese schöne Veranstaltung aufmerksam gemacht.

Leider war ich aufgrund einer fiesen Erkältung nicht ganz mein gewohnt strahlendes Selbst, so das ich mich begleitet von einer wattigen Nebelwolke zeitnah zum Hamburg-Haus gekämpft habe. Das Gefühl von Unwirklichkeit wurde durch die Begegnung mit herausgeputzten Orks in der U-Bahn nicht unbedingt gemindert.

Nachdem ein sehr freundlicher Mensch von der Orga einige Zeit mit der Suche nach der Presseliste verbracht hatte, wurde festgestellt das es diese gar nicht gab und ich wurde offiziell mit dem begehrten blauen Armband ausgezeichnet. Das Hamburg-Haus ist ein wunderbarer Ort für den Con, verwinkelt mit vielen kleinen Räumen und Gängen - so schön verwinkelt das ich mit meinem dösigen Kopf lange nach dem kleinen Saal suchen musste. Als ich mit Hilfe der immer noch sehr freundlichen Organisation endlich fündig wurde hatte der Workshop "Recherche in der Fantasy" mit Heide Solveig Göttner, Thomas Finn und Christoph Hardebusch schon begonnen. Die Veranstaltung war gut besucht, das Autorentrio schien gut gelaunt und gab erhellende Einblicke in ihren Arbeitsprozess.


C.Hardebusch, H.S.Göttner und T.Finn. Photo © Olga Krouk

Recherche soll den Autor inspirieren und ihn nicht unter einem Berg von Fakten begraben. Die Recherche muß dabei im Dienst der Geschichte stehen. Man kann sein ganzes Leben damit verbringen über einen Gegenstand zu forschen, darüber schreibt man dann aber keinen Roman sondern eine wissenschaftliche Abhandlung. Fakten müssen so eingebaut werden, das der Leser sie spannend findet und nicht der Autor/Forscher.

Zur Illustration der These das man nicht alles was historisch belegt ist in seinen Roman einbauen sollte erzählte Thomas Finn (gefühlter "Sieger" in der Kategorie Redezeit) einige bizarre Anekdoten zum Thema Burgen und Belagerungen.

So war es wohl Usus das den mathematisch nicht allzu hellen Belagerern die Sturmleitern oft zu kurz gerieten; Zur Abwehr von Belagerungstürmen wurden nachts heimlich die Burgmauern mit den Steinen der Gebäude innerhalb der Mauern erhöht. Würden die Leser so etwas dem Autor noch abnehmen? Oder würden sie sich über den Fantasyautor ärgern, der sich solch einen Unsinn ausdenkt?

Erschütternd: zumindest zwei der Autoren bereiten ihre Rechercheergebnisse in Word auf. Abgesehen davon das allem von Microsoft der Ruch des Bösen anhängt, scheint mir das im Vergleich zur Verwendung von Wikis oder Desktopdatenbanken a la Devon Think doch sehr zeitaufwändig.

Zwerge und Drachen

Nach eineinhalb Stunden wurde die interessante und lebhafte Diskussion beendet, da sich mittlerweile Massen von Markus Heitz-Fans vor der Tür drängten, die ungeduldig auf dem Auftritt des Meisters warteten.

Und der Star-Autor unter den neuen deutschen Fantasyautoren machte seinem Namen alle Ehre. Edel in feines Schwarz gewandet klagte er zuerst über den knarrenden und quietschenden Tisch (der erstaunlicherweise alle Lesungen überstanden hat). Gut gelaunt erinnerte er sich danach an den Nordcon vor fünf Jahren, bei dem seine Lesung vor 5 oder 6 Zuhörern stattgefunden hat. Dann stellte Meister Mahet einige Szenen aus seinem neuen Roman, "Die Mächte des Feuers" vor und bewies einmal mehr das er sein Handwerk versteht. Eine spannende Geschichte in einem Deutschland der 20er Jahre, in dem sich Drachen und Drachenjäger einen blutigen Kampf liefern.

Anschließend gab es erfreuliche Neuigkeiten für alle Freunde der Zwerge: es wird einen vierten Band geben, der voraussichtlich schon im Frühjahr 2008 erscheint. "Der Witz" wird enthüllt werden und die Dreharbeiten zum Zwergen-Film sollen ebenfalls 2008 beginnen. Als besonderen Gag (oder zum Einsparen von Produktionskosten...) wird es Statistenrollen zu gewinnen geben. Neuigkeiten dazu wird Markus Heitz auf seiner Homepage bekannt geben, sobald es so weit ist.

weiter zum zweiten Teil

Einen herzlichen Dank an Olga Krouk, die mir die Bilder zur Verfügung gestellt hat. Ihr Bericht vom Nordcon - mit mehr Bildern! - findest Du im Leserattenbücherforum.