Bericht vom 11.Nordcon (Teil 2)

nordcon bannerSchlägereien mit bemaltem Schaumstoff, gefährliche Klaubauter und ein Blick hinter die Kulissen der VIP-Existenz als Autor - der Fantasy-Bote auf dem 11.Nordcon - Teil 2.

Den ersten Teil des Berichts findest Du hier

Nach der Lesung von Markus Heitz schwirrte mir der Kopf von den vielen schönen Worten. Zeit für eine Pause während der ich mittels oraler Kaffeeinfusion und frischer Luft versuchte den Nebel aus meinem Hirn zu vertreiben.

Also observierte ich das fröhliche Treiben der LARPer im Park.

Offensichtlich handelt es sich um eine ganz eigene und fremdartige Gesellschaft. Mir gelang es beim zuschauen nicht heraus zu finden wieso bei einem Massenkampf der eine als besiegt zu Boden ging während der Andere auch nach dutzenden Treffern fröhlich weiter mit bemaltem Schaumstoff um sich schlug. Auch ob der rituelle Wurf mit dem "heiligen Fuß" in irgendeiner Weise spielentscheidend gewertet wird hat sich mir nicht erschlossen. Als langjähriger Hapkidoin sei mir jedoch erlaubt zu sagen: was ich an Langstocktechniken beobachten konnte sah verbesserungswürdig aus. Auf jeden Fall hatten die Beteiligten sichtbar jede Menge Spaß daran sich gegenseitig zu vermöbeln.


Tom Finn in Aktion. Photo © Olga Krouk

Erfrischt begab ich mich zurück in den kleinen Saal, wo die Lesung von Thomas Finn anstand, bei der es wesentlich familiärer als bei Markus Heitz zuging. Der Autor las mit spürbarer Begeisterung aus seinen "Chroniken der Nebelkriege", einer All-Age Trilogie, die in einem alternativen, hochmittelalterlichen Nordeuropa spielt.

Mit verstellter Stimme verlieh Thomas Finn jeder seiner Figuren eine ganz eigene Persönlichkeit. Die gewählten Ausschnitte waren durchweg spannende Actionszenen, die gut zum mitreißendem Vortragsstil des Autors passten. (Diesen kann man - wie ich gehört habe - auch während "Der Nacht" erleben.)

Nach den drei geplanten Szenen war zur Verwunderung des Autors noch viel Zeit übrig (ich führe das auf sein sehr flottens Sprechtempo zurück). Die Frage, ob das Publikum noch mehr hören wolle schien mir recht rhetorisch, da er gleich darauf mit der vierten Szene fortfuhr.

Ich fühlte mich gut unterhalten und nach der knappen Stunde dräute mir das "Das unendliche Licht" und "Der eisige Schatten" unbedingt auf meine immer zu lange Leseliste gehören. Thomas Finn hat mit den "Nebelkriegen" sowieso einen Stein bei mir im Brett, da ein guter Teil der Geschichten in meiner Lieblingstadt Hamburg spielt, die er in einem fantastischen und magischen Schauplatz verwandelt.

Nach der obligatorischen Kaffeebetankung ging es dann zur Lesung von Heide Solveig Göttner auf die ich mich am meisten gefreut habe. Vor einem verschworenen Kreis von Eingeweihten knüpfte sie am Recherche-Thema vom Vormittag an und stellte die sardische Nuraghenkultur vor, die sie zu ihrer Reihe "Die Insel der Stürme" inspiriert hat.

Dabei kamen einige interessante Details zur Sprache. So ist die geheimnisvolle Kraft des "Taú" in der Tat vom asiatischen Chi- bzw. Ki-Konzept entlehnt. Meine Vermutung, das dahinter tiefgreifende philosophisch-esoterische Beweggründe standen war wohl (trotz des hübschen Yin-Yang Armreifs der Autorin) zu kompliziert gedacht. Da die Geschichte aus den Perspektive der drei Hauptcharaktere erzählt wird brauchte Frau Göttner ein Mittel um durch sie mehr über das Innenleben der anderen Helden sagen zu können und nahm dazu das Ki-Konzept aus Ausgangspunkt


Heide S. Göttner. Photo © Olga Krouk

Danach las Frau Göttner zwei Passagen aus "Die Priesterin der Türme" und eine aus "Der Herr der Dunkelheit". Ihre Lesung hat mich am weitesten von allen in eine andere Welt mitgenommen, wobei mein Urteil sicher gefärbt ist, da ich ein bekennender Fan ihrer wunderbaren Bücher bin. Schade, das sich so viele Con-Besucher dieses Erlebnis entgehen ließen.

Ungünstig war hier sicherlich, das es die dritte Lesung in Reihe war und gleichzeitig auch noch Karl-Heinz Witzko aus den "Kobolden" las. Im übrigen verstehe ich nachdem ich den Herrn in natura bewundern durfte auch wieso er wie kein anderer dazu geeignet war über die Kobolde zu schreiben. Die Autorenfotos von Piper werden dem guten Mann nicht gerecht.

Danach hatte ich noch die Gelegenheit das süße Ehrengast-Dasein in der hermetische abgeschirmten VIP-Lounge ("Ey, wieso können wir hier nicht durchgehen?") zu erleben. Das Mineralwasser floss in Strömen und für das leibliche Wohl standen mehrere Schälchen mit M&Ms bereit. So lässt sichs leben ;p )

Zur Lesung von Christian Hardebusch habe ich es dann leider nicht mehr geschafft und aufgrund meines mittelmäßigen Gesamtzustandes (siehe Teil 1) habe ich auch die Con-Party geschwänzt und den Abend stattdessen passenderweise mit einer Folge "Dead Like Me" ausklingen lassen.

Zusammenfassend hat mir der 11.Nordcon gut gefallen. Wenn ich mir etwas für das nächste Jahr wünschen dürfte wäre es: das die Werbung für den Literaturbereich etwas lauter ausfällt, mehr Workshops zum Thema Schreiben angeboten werden und das das Lesungsprogramm stärker auf beide Tage verteilt wird.

Noch eine gute Nachricht zum Schluss: wie ich aus Reihen der Organisation gehört habe ist für die Veranstalter finanziell alles im grünen Bereich. Schön!

Einen herzlichen Dank an Olga Krouk, die mir die Bilder zur Verfügung gestellt hat. Ihr Bericht vom Nordcon - mit mehr Bildern! - findest Du im Leserattenbücherforum.